Ibanez Tubescreamer
Der Klassiker unter den Overdrives

Ibanez TubescreamerDer Ibanez Tubescreamer ist unter den Overdrive Pedalen eine lebende Legende. Fast jeder Gitarrist hat einen der kleinen, grünen Giftzwerge schon einmal gespielt. Denn dieser ist in der Lage jeglicher mittelmäßigen Gitarre pure Magie zu entlocken. Und gepaart mit einer Custom Shop ist der Tone des Tubescreamers eine wahre Offenbarung. Spätestens seit Stevie Ray Vaughan, dessen Sound (neben seiner Spielweise) maßgeblich durch den Tubescreamer geprägt wurde, ist der kleine Treter Kult. 

Timeline
Der Tubescreamer kam in Form des TS-808 Ende der 70er Jahre genau im richtigen Augenblick daher. Die Zerre wurde zumeist noch durch das Übersteuern der weit aufgerissenen Röhren erzeugt. Jedoch wiesen die Verstärker dieser Zeit eine immer größer werdende Leistung auf, sodass dies bei einer zumutbaren Lautstärke nur noch selten möglich war. Es wird so mancher Gitarrist im Boden versunken sein, wenn er auf der Bühne am Veranstaltungsort einen Twin Reverb oder einen Transistorverstärker vorfand, die auch immer weiter verbreitet waren. Den Tubescreamer im Gepäck zu haben war die einfachste Möglichkeit einem in dieser Situation die Rock Show mit überwältigendem Crunch-Sound retten. 

In den Jahren 1982 bis 1985 wurde die Erfolgsgeschichte durch den TS-9 fortgesetzt, der seinem Vorgänger im Inneren nahezu identisch ist. Viele schreiben dem TS-9 einen etwas helleren Klang zu, auch wenn die Unterschiede – sofern überhaupt vorhanden – eher marginal sind. Die größte Veränderung gab es äußerlich, da der Ein-/Ausschalter nun etwa ein Drittel des gesamten Pedals einnahm. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie hier.

Ab 1986 veröffentlichte Ibanez verschiedene Tubescreamer Modelle, die dem großen Namen nicht gerecht wurden. Den absoluten Tiefpunkt markierte der TS-5 von 1990, der in einem schwarzen Plastikgehäuse daherkam und laut der Zeitschrift „Gitarre und Bass“ nach einem Soundsarg klang. Die Rufe nach den alten Klassikern wurden lauter, weshalb Ibanez ab 1996 ein Reissue des TS-9 und später des TS-808 auf den Markt brachte. Bei beiden handelt es sich um eine wirklich gelungene Wiederauflage, auf die wir uns im Folgenden konzentrieren wollen. 

Ausstattung
Der Tubescreamer verfügt über die drei Regler Level, Tone und Drive. Das schreit nach straight forward Rock N‘ Roll. Einstöpseln und Losrocken. Doch der erste Anschein trügt, denn trotz der wenigen Regler handelt es sich um ein vielseitiges Gerät, wie wir im nächsten Abschnitt feststellen werden.

Sound
Das Pedal ist für alle das Richtige, die auf der Suche nach einem großartigen Overdrive sind. Benötigst du ein Distortion oder gar ein Fuzz, bist du hier falsch. Denn mit diesem Pedal gelangst du von warmen Crunch bis zu rauem mid gain Overdrive. Es ist das Eldorado des Blues und Rock, jedoch nichts für Metal.

Der Tubescreamer will und soll den Sound deiner Gitarre nicht neu erfinden, sondern ihn vielmehr bereichern und auf ein neues Niveau heben. Dabei arbeitet er wie ein kolorierter Booster. Er schiebt die Mitten kräftig an, während die Bässe etwas ausgedünnt werden. Diese Eigenschaft ist besonders für weit aufgerissene Amps von großer Bedeutung, da bei diesen der Bass oft etwas matschig wirkt. Durch den Tubescreamer werden auch die tiefen Frequenzen wieder tight genug für das Schmettern von Powerriffs.

Auch der Gesamtsound einer Band profitiert massiv von der Ordnung im Frequenzraum, die der Tubescreamer herstellt. Die tiefen Frequenzen bleiben dem Bassisten vorbehalten, während der Schub der Mitten dem Gitarristen zu einem klaren Schnitt durch die Soundwand verhilft. Das hebt den Gitarrensound besonders hervor und gibt ihm die notwendige Aggressivität für fulminante Licks.

 

Verwendung als Overdrive
Die größte Stärke eines Röhrenamps ist das sogenannte magische Territorium, in dem der Verstärker am Rande des Breakups betrieben wird. Verpasst man der Gitarre einen saftigen Rippenstoß, so erhält man ein glitzerndes Overdrive, während ein weicher Anschlag einen cleanen Ton hervorbringt. Der Tubescreamer ist in der Lage dieses erfolgreich zu simulieren. Die Möglichkeit den Grat der Verzerrung über das Volume Poti der Gitarre einzustellen, ist ein einfach der Hammer. Dadurch erhält das Spiel eine großartige Dynamik, welche deiner musikalischen Geschichte zahlreiche Facetten hinzufügt. 

Verwendung als Booster
Kommen wir zu meiner absoluten Lieblingsfunktion des Tubescreamers – der Verwendung als Booster. Dies ist sowohl im Zusammenspiel mit anderen Pedalen als auch mit einem Röhrenamp möglich. Dabei wird der Drive Regler ganz herausgedreht und das Level auf 11 gestellt 🙂 Soll ein Pedal geboostet werden, muss man sich zunächst für eine Reihenfolge der Effekte entscheiden. Der Tubescreamer kann entweder am Ende der Signalkette stehen und den Pegel für ein Solo etwas (koloriert) anheben oder bereits vor dem anderen Distortion stehen, um dieses noch weiter in die Zerre zu treiben. Gleiches ist natürlich auch mit dem Verstärker möglich. 
Dabei wird der Amp im Idealfall so weit aufgerissen, dass er kurz davor steht zu zerren. Mit dem Pedal können wir dann das Signal weiter anheben, um der Röhre den letzten Rest zu geben. Der dadurch entstehende Sound ist wahrer Rock N‘ Roll!

Fazit
Der Tubescreamer ist ein vielseitig einsetzbares Overdrive Pedal, das nicht umsonst zu den beliebtesten Verzerrern aller Zeiten gehört. Er ist in der Lage einem Transistorverstärker ein wunderbares Midrange Overdrive zu verpassen, das an einen gesättigten AC 30 erinnert. Als Booster vor einem Röhrenamp oder mit anderem Distortion bringt er ein unvergleichliches Sounderlebnis hervor. In meinen Augen muss jeder Gitarrist diesen kleinen Treter einmal selbst ausprobiert haben.  

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