Roland Micro Cube GX
Der Alleskönner für zu Hause

Roland Micro Cube GXDer Roland Micro Cube GX ist ohne Frage einer der beliebtesten Modeling Amps. Mit 3W Ausgangsleistung, 8 Modelings, 8 Effekten und vielen weiteren Funktionen bietet dieser ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die wir uns heute einmal genauer ansehen wollen.

Amp Modelings
Die Worte 3 Watt Leistung oder Modelingamp sind für viele vermutlich direkt ein Grund zu gehen. Aber das wäre ein großer Fehler, denn der Micro Cube ist durchaus in der Lage eine sehenswerte Lautstärke bei vernünftigem Klang von sich zu geben. Natürlich stellt sich die Frage nach ausreichend cleanem Headroom. Gegen einen Travis Barker wird man mit diesem Amp vermutlich nicht ankommen, aber mit dem 5” Custom-Design Speaker ist es durchaus möglich ein kleines Wohnzimmerkonzert zu geben.

Der Sinn und die große Stärke eines (Micro-) Modeling Amps ist jedoch nicht das Zusammenspiel mit einer Band, sondern die Nutzung als Übungsamp bei passablen Lautstärken. Und da kann dieser richtig auftrumpfen. Neben einem vernünftigen Mic-Kanal und Acoustic-Simulator verfügt der Micro Cube über zwei cleane Ampmodels. Als Roland Jazz-Chorus zeigt er einen warmen und glasklaren Klang, während man mit Black Panel einen etwas dunkleren Fender Sound erhält. Und das auf beeindruckende Art und Weise! Ich habe diesen Amp meinem Deluxe Reverb gegenübergestellt und muss sagen, dieser klingt bei einer geringen Lautstärke vielmehr nach Fender als der Fender selbst. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Der Modelingamp simuliert den Fender besser als dieser selbst klingt. Wie kann das sein? Ganz einfach: Bei Wohnzimmerlautstärke kann sich der Deluxe Reverb noch längst nicht entfalten, während der Modelingamp voll aufblüht. Beim Röhrenverstärker dürfen wir den Volume Regler maximal mit einer Feder streicheln, während wir den Cube Amp eben auf elf stellen können 🙂

Auch die beiden folgenden, verzerrten Einstellungen sind der Hammer. Mit Brit-Combo geht es in Richtung Vox Amps, was sehr geil für Bluesrock a la ZZ Top ist. Als Zerre erhält man hier ein cremiges Overdrive, während aus der Classic Stack Einstellung das Distortion eines Marshalls herauszukitzeln ist. Mit dieser Einstellung kann durchaus ein fulminantes Rockbrett gefahren werden.

Zu den beiden Extreme Einstellungen fällt es mir ehrlich gesagt schwer ein Urteil zu fällen. In diesem Bereich kenne ich mich leider zu wenig aus und meine Fähigkeiten in Sachen Metalgitarre sind doch eher begrenzt. Ein einfaches Paranoid von Black Sabbath bekomme ich wohl noch zusammen und dazu war die erste der beiden Einstellungen prädestiniert. Dreht man den Regler noch eine Stufe weiter, so erhält man einen noch aggressiveren Sound. In diesem Fall werden die Mitten weiter ausgehöhlt und der große Metalhammer kommt hervor.

Effekte
Wie bereits angekündigt befinden sich gleich 8 Effekte an Bord, die mithilfe von zwei Reglern eingestellt werden können. Das bedeutet leider auch, dass neben der Zerre (die einen eigenen Gain Regler besitzt) lediglich zwei Effekte gleichzeitig eingeschaltet werden können. Das ist jedoch kein schwerwiegendes Problem, denn die meisten Effekte werden ohnehin nicht gemeinsam verwendet.

Mit dem ersten Regler lassen sich Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo oder Heavy Octave einstellen. Mein erster Gedanke: “Puh! Ist es nicht bereits unmöglich auch nur einen dieser Effekte mit nur einem Regler einzustellen?” Für die meisten der Effekte möchte man doch sowohl Tempo als auch Intensität einstellen. Daher ist meine Meinung zu diesen Effekten so ähnlich wie zum Blockflötenklang am Digitalpiano. Super Idee das einzubauen, aber es ist nicht mehr als eine Spielerei. Und ich vermute, als genau das ist es auch gedacht. Dass der Hersteller in der Lage einen Effekt anständig zu durchdenken, hat er mit ausreichend vielen Pedalen der Boss-Reihe bewiesen. Daher freue ich mich ab und an mal etwas Chorus dazu zu schalten, erwarte aber nichts weltbewegendes. Wir reden schließlich über den Heimgebrauch.

Ein vergleichbares Ergebnis folgt auch für die Einstellung des Delays am zweiten Regler. Auch für diesen Effekt wäre ein weiterer Regler erforderlich. Das Reverb hingegen finde ich ganz ansprechend. In Kombination mit der Black Panel Einstellung ist das echt der Hammer und bei Auswahl dieses Amp-Models geradezu ein Muss! Auch der neue Federhall am Ende des Reglers ist zu gebrauchen.

Memory Funktion
Laut Herstellerangaben wird der Amp mit dieser Funktion zu einem zwei-Kanal-Verstärker. Das funktioniert auf die folgende Art und Weise: Hat man seinen gewünschten Sound gefunden, muss lediglich die Memory Taste für einige Sekunden gedrückt und die Einstellung somit gespeichert werden. Anschließend kann durch weiteres Betätigen der Taste zwischen der aktuellen und der gespeicherten Einstellung gewechselt werden. Dies ist jedoch ausschließlich mit dieser Taste und nicht mit einem Fußschalter möglich. Ein Wechsel zwischen Rhythmus- und Solosound (wie vom Hersteller beworben) scheint mir so nicht möglich. Nichtsdestotrotz nutze ich diese Funktion gern, um einen anderen Sound für weitere, vollständige Lieder parat zu haben. Gerade das fummelige Einstellen der Effekte mit wenigen Zentimeter Regelweg kann einem so – insbesondere vor Publikum – erspart bleiben. Wir können also festhalten, dass diese Funktion grundsätzlich eine gute und praktische Idee ist, auch wenn der Hersteller in seiner Beschreibung etwas zu hoch gegriffen hat.

ICube Link / Aux in
Eine sehr praktische Übungsfunktion ist definitiv der Aux In Anschluss. Mithilfe eines einfachen Klinkensteckers kann Musik eines beliebigen Wiedergabegerätes abgespielt und zeitgleich mit der Gitarre begleitet werden. Die eingestellten Effekte und Modelings beeinflussen sinnvollerweise lediglich den Gitarrensound.

Der i-Cube Link ist ein eingebautes Interface für iOS-Geräte. Mit diesem Kanal kann der Micro Cube direkt an iOS-Geräte angeschlossen werden. Eine Aufnahme erfolgt dann mit einer beliebigen Recording-App. Ein cooles Tool!

Weitere Tools:
Der Micro Cube besitzt ein eingebautes, chromatisches Stimmgerät, welches mich bisher nie im Stich gelassen hat.

Mit diesem Verstärker ist man nicht auf einen Stromanschluss angewiesen. Mithilfe von 6 AA-Batterien kann dieser für 20 bis 25 Stunden betrieben werden. Diese tolle Funktion hat mich schon mehrfach dazu verleitet, den Verstärker zu zweckentfremden und zur Musikwiedergabe beim Grillen im Garten zu nutzen. Sicherlich gibt es dafür bessere Optionen, aber, wenn man diesen Amp schon einmal griffbereit im Haus hat…

Fazit
Der Amp besticht durch seine Vielseitigkeit, wobei in dieser Preisklasse natürlich nicht alle Funktionen völlig ausgereift sein können. Aber hier wurde definitiv eine sinnvolle Schwerpunktsetzung getroffen. Mit einem vernünftigen Clean und Zerrsound bewältigt der Micro Cube die absolut notwendigen Aufgaben wirklich klasse, während die eingebauten Effekte eher als Bonusspielerei zu sehen und gebrauchen sind.

Wenn ihr euch den Amp selbst einmal genauer ansehen wollt, könnt ihr ihn hier bei Thomann.de bestellen*.